Ich bin heute morgen einer Weinbergschnecke begegnet. An der Promenade. Mitten auf dem Gehweg. Nun mag der eine oder die andere jetzt denken: na und? Ich aber denke: Kraaaass! Weinbergschnecken gibt es nicht an der Promenade. Bis vor einigen Monaten gab es sie für mich nicht einmal auf der Insel oder in MV oder nördlich von Berlin. Freunde haben mich damals eines Besseren belehrt. Es gibt sie sehr wohl auch im Norden und ganz sicher auch auf Usedom. Sie sollen sich im Achterland rumtreiben und wurden auch im Küstenwald schon gesehen. Aber an der Promenade? Das ist neu. Das Exemplar, dem ich heute morgen in Bansin begegnete, war stattlich. Es…
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Elke Pupke schließt das bodenlange Fenster hinter sich, weil eine Zuhörerin in der ersten Reihe friert. Dann setzt sie sich zurück an den Tisch, der für die nächste Stunde ihr Arbeitsplatz sein wird, und begrüßt die Gäste. Der Raum bleibt im Halbdunkel. Sie braucht weder das Deckenlicht, noch die Stehlampe, die man ihr neben den Tisch gestellt hat. Ihre Silouette beugt sich über ein Buch mit bunten Seitenmarkern. Die Lesung beginnt. Das Hans-Werner-Richter-Haus in Bansin ist an diesem Abend gut gefüllt. Die Menschen mögen, was Elke Pupke schreibt. Usedom-Krimis, die größtenteils in Bansin spielen und deren Hauptfigur die Pensionswirtin Tante Berta ist. Eine resolute alte Dame, weit über achtzig, die…
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Manchmal glaube ich, mich könnte nichts mehr überraschen, wenn ich morgens zum Strand gehe. Und dann lief ich vor einigen Tagen schlaftrunken über die Düne, bat Schurke mit einem sanften Ziehen hinter mir her, setzte den ersten Fuß in den Sand und ließ den Blick schweifen. Wo gerade noch nächtliche Trägheit in mir herrschte, pumpte das Herz plötzlich frisches Blut durch meine Adern. Mein Gott, ist das schön, war alles, was mein Gehirn zustande brachte. Dieser Morgen setzte auf Blau. Endloses, zartes Blau. Und keine Welle bis zum Horizont. Auch oberhalb der irdischen Sichtlinie nichts als Blau. Keine Wolke, kein Wind, kein Meeresrauschen. Nur Stille. Und irgendwo in der Ferne…
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Der Blick über Düne läßt mich den Weg über die spiegelglatte Promenade vergessen. Was für ein Anblick. Bis zum Horizont reicht das Eis, das in den letzten Tagen vor Usedoms Küste gewachsen ist. Und es wächst weiter. Knackige -14 Grad zeigte das Thermometer heute morgen am Strand. Der bitterkalte Ostwind ließ die gefühlte Temperatur weit unter -20 Grad sinken. Jetzt steigt die Sonne über den Horizont, läßt die Eisschollen glänzen und legt ihr warmrotes Licht über diese gefrorene Welt bis auf die Fassaden der alten Bädervillen. Die Düne funkelt wie ein Meer aus Swarovski-Kristallen. Jeder einzelne Grashalm ist mit zentimeterdickem Eis überzogen, das so klar ist, dass es wie Glas…
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Von einem Tag auf den anderen ist alles anders. Aus Sonnenschein und blauer See ist der erste Herbststurm geworden. Ein kräftiger Südwind peitscht die Bäume und schiebt die Ostsee weit in ihr Bett zurück. Der Strand ist breit, so breit, dass man die Buhnen fast umlaufen kann. Und es regnet seit Stunden. Heute morgen, als der Regen die Insel noch nicht erreicht hatte, sah ich den Sand über den Strand fliegen. Von der Düne bis hinunter ans Ufer. Ein kleiner schwarzer Hund jagte durch die Böen, verschwand für einen Moment wie im Nebel und tauchte plötzlich wieder auf. Auf seiner Zunge mussten sich Berge von Sandkörner verfangen haben. Doch das…
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