Bansin, Ende Juli 2023. Es ist kurz vor sechs. Die Sonne legt ihr Licht auf die verschlafenen Bädervillen. Das Meer kräuselt sich blau. Es ist still. Diese Stille, die ich liebe und die mich gleichzeitig auf mich selbst zurückwirft. Als wäre ich der einzige Mensch inmitten der sommerlichen Schönheit eines Ostseebades. Ich kenne die Straßen, den Klang, den Duft solcher Morgen. Ich kenne das Gefühl, in die kühle Ostsee zu steigen. Wenn der Hund am Ufer steht und argwöhnisch meinen Zügen folgt. Heute morgen zieht es mich nicht hinunter. Ich möchte in der wohligen Wärme meines Bettes bleiben. Oder wenigstens im Schutz der Wände, in denen sich seit fast zehn Jahren mein Leben abspielt. Leben. Mein Leben. Ich hadere manchmal mit ihm. Versuche neue Wege zu gehen und lande doch immer wieder bei mir selbst. Walser sagte, er hätte sich nie verändert. Vielleicht ist es genau das, was meiner Suche ein Ende setzen könnte. Das bedingungslose Sein als das, was ich bin. Die Annahme all meiner Facetten, so leicht und so schwer sie auch sein mögen. Vielleicht ist genau das der Weg. Und die Angst steht breitbeinig vor mir.
Heilung beginnt mit bedingungsloser Annahme seiner selbst. Ich habe mich verirrt. Stecke in einem Leben, das mir nicht mehr zu passen scheint. Ich stoße unablässig gegen meine mentalen und physischen Grenzen. Auf kraftvolle Tage folgt Energielosigkeit. In mir schreit es nach Veränderung. Doch das Korsette, das ich mir selbst angelegt habe, wiegt schwer und gibt gleichzeitig Halt und Sicherheit. Ein goldener Käfig, inmitten der Schönheit eines Lebens am Meer.
Wenn ich auf inselverliebt blicke, sehe ich Fülle, aber auch Last. Ich spüre den Druck auf meinem Magen und meiner Brust. All das Wollen und auch das Müssen ist mir zu schwer geworden. Mir fehlen Birgits Schultern und ihre Liebe, die mir die Leichtigkeit schenkten, ein besonderes und florierendes Unternehmen aufzubauen. Meine Liebe zu Usedom war der Anfang all dessen. Eine Liebe, die erdrückt wird unter der Last der Verantwortung. Unter Geld und Erwartungen.
Kann ich das aufgeben? Gibt es eine Perspektive? Es gibt den Traum vom Schreiben. Doch es gibt auch die Erfahrungen der Schwere, in die mich das Schreiben schon gezogen hat. Immer wenn ich versuche, etwas aus mir herauszuziehen, zu quetschen, an den Haaren herbeizuziehen. Wann immer ich das tue, wird es schwer. Ich brauche einen Fluss. Den Blick in mich hinein. Meine Wahrheit will zu Papier gebracht werden. „Ich weiß nicht, was ich denke, bis ich es aufschreibe.“ sagte Joan Didion einst. Genauso ist es auch bei mir. Ich habe wenig Verbindung zu meinem Verstand. Wann immer ich ihn zu nutzen versuchte, landete ich in der Sackgasse. In einem Leben, das nicht zu mir passt. Vielleicht ist es an der Zeit, der Intuition zu folgen. Dem Bauchgefühl, das mich bisher so treu begleitete. Wie oft habe ich mit ihm diskutiert, es verneint und weggedrückt, weil mein Verstand sich schillernde Welten ausmalte. Erfolg hatte ich damit nie. Denn das Rebellieren der Intuition ist mächtig. Sie gibt keine Ruhe. Niemals. Sie rüttelt an dir, bis der richtige Schritt gegangen ist, oder du dich selbst verlierst und ohne Gefühl und Leidenschaft durch dein Leben navigierst. Das ist der Punkt, an dem ich stehe an diesem Sonntagmorgen im Sommer 2023.